Impulsfragen und -antworten zur liberalen Bürgergesellschaft

Januar 31, 2008

Hier einige Anregungen – Kommentare und Verbesserungen erbeten 

1. Was meinen Liberale eigentlich mit “Bürgergesellschaft”, und was nicht?

Eine Gesellschaft von ‘Vollbürgern’, die sich Mitwirkungsmöglichkeiten und Pflichten innerhalb der Gemeinschaft bewußt sind. Liberale Bürgergesellschaft stellt damit ein aus ‘Individualismus’ und ‘Kommunitarismus’ zusammengesetztes Konzept dar. Sie ist sich der Ambivalenz dieser teilweise opponierenden, teilweise voneinander abhängigen Paradigmen bewusst. Bürgergesellschaft heißt politische Subsidiarität in ihrer vollen ‘Radikalität’. Sie setzt die ‘Sinnhaftigkeit’ der Entscheidungsebene ggf. sogar vor pragmatisch-utilitaristische Begründungen von Entscheidungsfindung.Liberale sprechen sich deutlich gegen ‘ideologisch-partizipatorische’ Systeme aus. Wenn Teilhabe am politischen System und Geschehen nur als ideologischer Überbau fungiert, wird Demokratie zu Autokratie.  

2.Wie organisieren oder fördern wir die Bürgergesellschaft?

Die Frage nach exogener Organisation der Bürgergesellschaft ist im Ansatz paradox. Eines ihrer zentralen Merkmale liegt in der Stärke der Selbstorganisation (so zu sagen: ‘ex nihil’). Gleichsam muss eine moderne komplexe Gesellschaft, die (aller politischen Ideologie zum Trotz zum Glück) auf Individualismus beruht, Anstöße für die Entwicklung bürgergesellschaftlicher Strukturen in besitmmten Umfeldern, in präferiertem Ausmaß…etc. geben. Idealerweise nutzt sie diese nicht aussschließlich als Problemvermeidungs- oder -behebungsmechanismen. Ein ‘progressiver’ Ansatz des ‘Empowerment’ der Bürger erlaubt es dem Staat, sich auf die wirklich wichtigen, einfacher kollektiv als individuell (oder kommunitär) zur regelnden Aufgaben zu konzentrieren. 

NICHT DURCH GUTSCHEINSYSTEME!  / Ausschließliche Stärkung von Ehrenamt

3.Welche Aufgaben sozialer Organisation kann sie erfüllen/ wo liegen ihre Grenzen? 

Eine entscheidende Frage für den europäischen Liberalismus ist, ob die Bürgergesellschaft für die Bereitstellung eines ‘sozialen Fallnetzes’ herangezogen werden kann. Libertäre Ansätze würden dies ggf. bejahen, sozial-liberale Denkrichtungen negieren dies vehement. Die Frage nach der Reichweite der Bürgergesellschaft kann auch die Frage nach der Reichweite des ihr ggf. opponierenden bzw. des sie ersetzenden Staatswesens sein.  

4. Sind die Wiesbadener Grundsätze der FDP noch aktuell?

 

Seit 1987 hat sich viel getan. Gerade Faktoren wie eine globalisierte Welt und eine aufkommende Generation von ‘social entrepreneurs’ müssen sich ebenso in einer neuen Position finden, wie die neuen Herausforderungen, die diese Welt an die Menschen stellt. Auch Lösungsmechanismen haben vor dem Hintergrund technischer Entwicklung und daraus entstehender sozialer Veränderung drastische Transformationen erfahren.


Die Stärke des Bürgersektors und der Bürgergesellschaft

Januar 29, 2008

Empirische Befunde: Die Explosion des Bürgersektors über Zivilcourage und Ehrenamt hinaus
• Richtig ist: die Zahlen des Engagements im Rahmen eines traditionellen Ehrenamts sind leicht rückläufig. Richtig ist aber auch: das professionelle full-time Engagement für Aufgaben des traditionellen Ehrenamts hat zweistellige Wachstumsraten.
• Der “Dritte Sektor” oder soziale Nonprofit-Sektor ist der professionalisierte Teil der Zivilgesellschaft, also der Sphäre der Assoziationen zwischen Staat, Markt und Familie. Er bezeichnet einen gesellschaftlichen Bereich, der durch ein Neben- und Miteinander von Marktmechanismus, staatlicher Steuerung und Leistung und gemeinschaftlicher bzw. familiärer Arbeit geprägt ist, in dem jedoch keiner dieser Mechanismen eindeutig vorherrscht.
• Dieser Dritte Sektor entwickelt sich seit dem Beginn der 80er Jahre zum “Bürgersektor” (Citizen Sector). Die Wachstumszahlen des Bürgersektors sind – jenseits traditionellen „Ehrenamts“ – dramatisch. Hintergrund: Wann immer ein Sektor die Instrumente und Verfahren entwickelt, Mehrwert zu schaffen und zu steigern, steigt die Produktivität / Massentauglichkeit dramatisch an – Beispiel: Staat seit dem 16. Jahrhundert (Renaissance), Wirtschaft seit Beginn des 18. Jahrhunderts
• Der soziale Dritte Sektor, lange der finanzielle Profiteur zwischen organisierendem und umverteilendem Staat und produzierender Wirtschaft, beginnt seit etwa 1980 weltweit „aufzuwachen“ und professionalisierte Verfahren und Methoden zu entwickeln, (sozialen, kulturellen, sogar politischen) Mehrwert (Dienstleistungen, Problemlösungen…) zu schaffen.
• Seit 1960 ist die Anzahl der Beschäftigten im Bürgersektor in Deutschland um 380 Prozent gewachsen, im Wirtschaftsbereich minus 2 Prozent. Zweistellige Wachstumsraten z.B. bei Stiftungen in den letzten Jahre, allein in den 5 Jahren zwischen 2000-2005 wurden 1,6 mal mehr Stiftungen gegründet (ca 4800) als in den 30 Jahren zwischen 1960-1990 zusammen (ca 3000). 1996 erste deutsche Bürgerstiftung in Gütersloh, 2006: 44 Neu-Gründungen.
• In den OECD-Ländern schafft der Bürgersektor zweieinhalb bis dreimal so viele Arbeitsplätze wie die restliche Wirtschaft. In Brasilien gab es 1980 nur 5000 bürgergesellschaftliche Organisationen, im Jahr 2000 über eine Million. In Indonesien gab es Ende 1980 eine Umweltorganisation – heute über 2000. Slowakei 1989: 11 bürgergesellschaftliche Organisationen, 2000: über 10.000.
• Die Explosion des sozialen / Dritten Sektors in einen eigenständigen Bürgersektor verdankt sich erstens der Zunahme unternehmerischen Denkens und Handelns und der Anwendung von erfolgreichen Business Practices / Ausbildung von unternehmerischen und wettbewerblichen Strukturen auf den sozialen Sektor, zweitens einer Wohlstandsexplosion in der westlichen Welt (Wachstum von Philantropie) und drittens der Informationsrevolution der digitalen Globalisierung
• Im Ergebnis erleben wir soziales Unternehmertum in einer sozialen Mehrwertswirtschaft, das den Gap zur Konsum-Ausrichtung der Marktwirtschaft zunehmend schließt – der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit des Bürgersektors mit der Wirtschaft und Staat.
• Der Bürgersektor als professionalisierter Teil der Bürgergesellschaft ist ein zentraler politischer Motor dezentraler Selbstbestimmung und Selbstorganisation jenseits des Staates.


Veranstaltung der FNSt

Januar 27, 2008

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltet am 16. und 17.02.2008 in Heppenheim/ Bergstraße ein Seminar zum Grundsatzprogramm der Jungen Liberalen. Die Einladung lautet wie folgt:

“Das Grundsatzprogramm der Jungen Liberalen der „Humanistischer Liberalismus“ interessiert und begeistert noch heute viele junge Menschen für liberale Politik.
Einige neu aufgekommene Aspekte der letzten Jahre beinhaltet es aber nicht ausreichend.

Über diese Aspekte, wie beispielsweise die Herausforderungen der Wissensgesellschaft oder die neue Bedrohungslage möchten wir mit Euch diskutieren. Dazu haben wir zu jedem Thema interessante Referenten gefunden.”

Vor genau 60 Jahren wurde in Heppenheim die FDP gegründet. Zu Beginn des Seminars werden wir euch daher die Bedeutung der Stadt für den deutschen Liberalismus näher bringen.
Zudem werdet Ihr zu Beginn einen Überblick über die Bedeutung und Wirkung von Grundsatz-programmen erhalten.
Wir würden uns freuen viele von Euch in Heppenheim zu sehen um gemeinsam den Liberalismus in Deutschland weiter zu entwickeln.”

Weitere Infos und Anmeldemöglichkeiten gibt es hier. Wir würden uns freuen, dort möglichst viele (Heidelberger) Jungliberale zu treffen.


Willkommen

Januar 27, 2008

Dies ist die Internetpräsenz der Heidelberger Gespräche zur Bürgergesellschaft. Hier finden Sie in Kürze Denkanstösse, Materialien und programmatische Vorschläge zum Thema “Liberale Bürgergesellschaft”


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